Bullshit Bingo Depressionen

Habe ich heute auf Instagram gesehen, sofort ein Bingo erreicht. Das hat mich dazu gebracht, jetzt wirklich mal diesen Blog zu machen!



Liebe Leute da draußen, schon sehr sehr sehr lange hatte ich mir vorgenommen, einen Blog zu beginnen, um zu dokumentieren, wie ich als Psychisch erkrankte Person mein Leben meistere, trotz Hindernissen.

Ursprünglich wollte ich den Blog wie ein Tagebuch führen, während ich meine Ausbildung mache. Aber es war einfach zu schwer und hart für mich, das auch noch zu stemmen.


Jetzt warte ich zur Zeit auf meine Prüfungs-Ergebnisse. Danach, sollte ich bestanden haben (hab ich bestimmt), beginnt mein Arbeitsvertrag.


Aber mal ganz von vorne... wieso ist das was Besonderes für mich?


Jeder macht doch eine Ausbildung. Jeder geht arbeiten. Was ist das Problem?


Dazu fange ich ganz ganz vorne an. Bei der kleinen Caro. Sie ist so 3 Jahre alt.


Sie musste schon einen Schicksalsschlag einstecken, auch wenn ihr dieser natürlich erst bewusst werden wird, wenn sie älter sein wird. Ihre Oma ist verstorben, nach schwerer Krankheit, sie war noch viel zu jung, hatte noch so viel vor sich. Sie wäre eine starke Frau an Ihrer Seite gewesen.


Kurz zurück in die Gegenwart. Meine Mutter hat mir vor gar nicht allzu langer Zeit erzählt, dass dies damals dazu führte, dass ich als kleines Mädchen nicht mehr bei meinem Opa übernachten wollte. Ich erinnere mich nicht an viel, nur das meine Oma eine liebe und ruhige Stimme hatte, und das sie mich mit Kamillen Creme eingerieben hat. Eine leise Vision ihrer Stimme und der Geruch dieser Salbe. Und ein Vorfall, wo ich mit dem Küchenstuhl umgekippt bin und mir den Kopf gestoßen habe. Da hat sie mich glaube ich getröstet und gekühlt. Viel mehr ist da leider nicht. Außer dem Gefühl, das ich sie sehr sehr lieb gehabt habe.


Zu diesem Zeitpunkt ist die kleine Caro im Kindergarten. Genau wie ihre ältere Schwester, diese ist aber in einer anderen Gruppe und wird dieses Jahr den Kindergarten verlassen.


Dort irgendwo begann es. Ich erinnere mich gut an den Kindergarten. Es sind verschwommene Bilder, aber meine Gefühle und Befinden habe ich noch genau in Erinnerung.

Ich verbinde diesen Kindergarten mit dem Geruch von Essen, meistens braune Fertigsoße, Zitronenpudding, Gemüse, Kartoffeln... irgendwie sowas. Und ich weiß das ich mich oft allein gefühlt habe, weiß aber nicht genau wieso.

Ich erinnere mich auch daran, wie ich alleine als letztes Kind am Esstisch saß, weil ich nicht aufgegessen habe. Ich erinnere mich an Eis am Stiel, das nur darauf wartete, das ich meinen Teller leer machte und es mir abhole, bevor es schmilzt.


Irgendwann zu dieser Zeit wollte ich nicht mehr in den Kindergarten gehen. Ich weiß, wie ich geweint habe und hinter der Scheibe nach meiner Mutter geguckt habe. Immer die Hoffnung, sie lässt mich nicht dort.

Klingt bisher auch soweit normal.


Meine Mutter erzählte mir später, als ich größer war, das ich ihr gesagt hatte, das ich nicht mehr in den Kindergarten will, das ich Angst habe, das andere dort böse zu mir sind.

Und meine ältere Schwester erzählt noch eine andere Geschichte. Sie hat gesehen, wie eine Erzieherin mich geschlagen hat.

Ich erinnere mich nicht daran.

Aber ich erinnere mich daran, welche beiden Erzieherinnen ich als "böse" empfunden habe.

Ich verbrachte meine Zeit meistens mit Karin. Karin war lieb.


Zu den Sommerferien hat meine Mutter mich in einem neuen Kindergarten angemeldet. Wir haben das "heimlich" gemacht. Mein alter Kindergarten erfährt dies erst ganz kurz, bevor meine Zeit dort abläuft.

Ich erinnere mich daran, dass ich am Ende nicht mehr mit gegessen habe und früher abgeholt wurde.

Ich saß alleine am Rand der Gruppe, während die anderen zu Mittag gegessen haben.

Am letzten Tag knallt eine der beiden "bösen" Erzieherinnen meiner Mutter meine Sammelmappe mit gebastelten Sachen hin (sie beschreibt es so).


Das war das erste Mal, dass das Monster namens Angst in mein Leben kam. Das ich schlecht behandelt wurde, und nicht weiß wieso. Das ich Ausgrenzung erfahren habe und nicht weiß wieso.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich besonders schlimm war, das ich anderen Kindern etwas getan habe.

Menschen in meinem Leben würden mich als ruhig, lieb, zurückhaltend beschreiben. Ich kann auch mal die zweite Geige spielen. Der Mittelpunkt ist mir nicht wichtig.


Das was mir da passiert ist, war nicht ok.


Heute bin ich schlauer.


Ich habe das nicht verdient, mit nichts, das ich getan haben könnte. Aber dieser Abschnitt ist vorbei. Alles wurde besser.


Es folgten einige glückliche Jahre. Der neue Kindergarten tat mir so gut. Ich bin dort noch mal richtig aufgeblüht. Man hat sich mit mir befasst, ich war eins der "großen" Kinder, ich durfte mich ausprobieren.

Ich erinnere mich genau an den ersten Tag, wir haben alle neuen Spielsachen auspacken dürfen (der Kiga war komplett neu), alles roch nach neuen Sachen und frischem Holz. Der Spielplatz war nur ein Erdhügel mit Rutsche und ein Sandkasten, ein Stück Asphalt zum Dreirad fahren. Es war perfekt. Einfach perfekt.


Auch die Grundschule war so weit unspektakulär. Ich hatte eine wunderbare Lehrerin, die mich auch heute noch begleitet. Sie hat mir so wichtige Dinge beigebracht, von ihr habe ich Sauberkeit und Ordnung erlernt, wie man seine Schulsachen ordnet. Von ihr habe ich Verständnis für Mathe erlangt, wie sie es mir erklärt hat, mache ich es auch heute noch.

Sie war ein ganz ganz besonderer Mensch. Und ich fand sie nicht immer toll. Sie war streng, aber IMMER fair. Eine Frau, auf die ich mich verlassen konnte. Bei ihr wusste ich immer, woran ich bin. Sie hat uns I-Dötzchen wunderbar betreut, als einer unserer Klassenkameraden in der ersten Klasse an Krebs starb. Ich weiß nicht, wo mein Weg hingegangen wäre, wäre sie nicht meine Grundschullehrerin gewesen.


Leider starb sie viel zu früh. Das hat mich unglaublich getroffen.


Die Grundschule war gleichzeitig aber auch Übungs-Raum für das Erwachsen werden. Erste Grüppchen Bildung, Mädchen gegen Jungs, es gab Grüppchen die sich gegen Einzelne, Schwächere verbündeten. Meine Mutter sagt, ich hatte immer ein Händchen für Sozialfälle. Meine Freunde waren mitunter von spezieller Art. Aber ich versuchte immer lieb zu allen zu sein. Jedem eine Chance zu geben. So traf ich mich auch mit "der Dicken Hässlichen, die stinkt" sie tat mir leid. Ich verstand nicht, womit sie das verdient hatte. Der, dessen Eltern getrennt waren (das war 1997ff noch was "komisches"), und die ein Krokodil in der Badewanne hatten, war auch mein Kumpel. Genau so die "Agressive die immer respektlos zur Lehrerin ist" und mehrere Klassenkonferenzen hatte...


In der Grundschule wurde auch ich die ersten Male ausgegrenzt. Alles in allem war das aber ok. Ich hab meinen Weg gemacht. Mich für eine weiterführende Schule entschieden (es war einfach die, auf die meine Schwester ging - großer Fehler), 4 Jahre gingen schnell vorbei.

Nach dem letzten Schultag ever in der Grundschule hab ich geweint. Ich wusste, jetzt beginnt der Ernst des Lebens.

Und so Unrecht hatte ich damit garnicht.

Das ist einfach nur Teil 1 der Geschichte. Ich portioniere sie, erzähle erstmal die Anfänge und komme dann zu dem Teil mit der Ausbildung. Gebt mir ein wenig Zeit. Es ist nicht einfach dieses Dinge zu reflektieren und verschriftlichen.

#depression #anxiety #survivor

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